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Stephan Jersch

Her mit der guten S-Bahn von/nach Bergedorf

106. Sitzung der Hamburgischen Bürgerschaft am 23. Oktober 2019 - TOP 77 (Drucksache 21/18589) - Dekadenstrategie Mobilität: Infrastruktur der S-Bahn-Strecke nach Bergedorf fit machen für den Einsatz von Langzügen - Antrag der SPD- und GRÜNEN Fraktion -

 

Videomitschnitt anschauen:

Teil 1: mediathek.buergerschaft-hh.de/videoschnitt/1571850645-1571850871/
Teil 2: https://mediathek.buergerschaft-hh.de/videoschnitt/1571852146-1571852322/

Transkript:

Dekadenstrategie Mobilität: Infrastruktur der S-Bahn-Strecke nach Bergedorf fit machen für den Einsatz von Langzügen

Stephan Jersch DIE LINKE:
Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Um es einmal vorwegzunehmen: Grundsätzlich werden wir den Maßnahmen hierzustimmen, denn, da möchte ich mich dem Kollegen Gladiator anschließen, das macht nichts kaputt. Es ist einer der Bausteine. Aber nichtsdestotrotz höre ich irritiert, dass der Kol­lege Bill das Wort "schon" ständig in Mund führt.

(Beifall bei der LINKEN und der CDU)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist Ironie, nicht anderes. Man ist da in Bergedorf wirklich - und ich nutze die Linien ja nun zweimal täglich - richtig geplagt.

Irritierend fanden wir auch die Information, dass die Stromversorgung für die Langzüge nicht ausreiche. Wir finden im Internet durchaus Bilder von Langzü­gen auf dieser Strecke; angeblich ist dort in den 1970er Jahren während der Heimspiele des HSV regelmäßig Langzugbetrieb gewesen.

(Dirk Kienscherf SPD: Die brauchen heute mehr Energie!)

Da ist anscheinend die Infrastruktur nicht so ganz gepflegt worden in den letzten Jahren. Ich will einmal auf Twitter gucken, fast täglich kom­men dort Meldungen zum Zustand. Da haben wir allein für gestern: Schadhafter Zug sowie Türstö­rung mit Verspätungen durch Ein- und Ausstieg.

Wir haben bis zu zwölf Minuten Verspätung wegen eines schadhaften Zuges. Wir haben eine Signal­störung und Personalmangel, und wir haben Aus­fälle durch mangelnde Fahrzeugverfügbarkeit auf dieser Strecke. Gestern, ein einziger Tag in dieser Woche.

Und das, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist doch die zentrale Frage: Woher sollen denn die Züge für Ihr Maßnahmenpaket kommen? Von der Options­verlängerung auf 64 weitere S-Bahnen der Baurei­he 490 brauchen Sie allein 19 für die S21 nach Kal­tenkirchen, Sie brauchen 35 für die S4 nach Bad Oldesloe. Von den verbleibenden zehn werden Sie acht für die S2-Verlängerung gebrauchen. Da fehlen die Reserven, und wir reden hier noch nicht ein­mal über den Ausbau der Harburger Linien oder die von der Bezirksversammlung Nord gewünschte Taktverkürzung zum Flughafen.

(Beifall bei der LINKEN)

Um auf Ihre Systemfehler zurückzukommen und darauf, warum es einfach nicht funktionieren wird: Die Zubringerbusse zum Bahnhof in Bergedorf sind auf die S21 abgestimmt. Wer zum Beispiel aus Curslack oder Neuengamme zum Bahnhof fährt, der trifft genau zeitgleich mit dem Bus ein und kann die Rücklichter der S2 betrachten. Das ist nun auch nicht besonders zielführend

(Dirk Kienscherf SPD: Dann scheint sie ja pünktlich zu fahren!)

Und umstellen werden Sie diese Buspläne nicht, solange wir keinen ganztägigen Betrieb der S2 auf dieser Linie haben. Liebe Kolleginnen und Kolle­gen, das ist alles nicht zu Ende gedacht.

(Beifall bei der LINKEN und vereinzelt bei der CDU)

Wenn Sie tatsächlich den Wahnsinn Oberbillwerder realisieren wollen, dann ist das die feste Garantie dafür, dass Sie 20 000 neue begeisterte Autofans in dieser Stadt generieren. Dieser ganze Antrag zeigt eine mangelnde Zukunftsfähigkeit des Senats, er ist ein Stückwerk und er ist mit Sicherheit keine echte Verkehrswende. Er ist eben Chefsache.

(Beifall bei der LINKEN und bei Dennis Gla­diator CDU)

Deswegen sehen wir den Erfolg dieses Maßnahme­npakets mit äußerster Skepsis. Da muss noch viel, viel mehr passieren.

Ich empfehle den Kolleginnen und Kollegen, die nicht Twitter haben: Schauen Sie einfach einmal in diese Nachrichten hinein, das lässt sich auch aus dem Internet aufrufen. Dann bekommen Sie mit, wie viel Dank Sie für den Langmut der Bewohnerin­nen und Bewohner Bergedorfs haben müssen, die bisher noch nicht wirklich auf die Barrikaden gegan­gen sind. Da haben Sie echten Handlungsbedarf. - Danke.

(Beifall bei der LINKEN und bei Dennis Gla­diator und Dennis Thering, beide CDU)

Teil 2:
Stephan Jersch DIE LINKE:
Danke schön, Frau Präsidentin. - Meine Damen und Herren! Ich muss dann doch noch einmal et­was zum Beitrag des Herrn Senators sagen. Auch ich würde sagen, wie der Kollege Gladiator, ein Be­griff wie "nicht zufrieden sein" ist Euphemismus. Anders kann man es nicht mehr sagen. Und wenn man nur ein bisschen betroffen von der Situation ist, dann ist das deutlich zu wenig angesichts der Situation. Und ja, wir haben leistungsfähige U-Bah­nen; S-Bahnen würde ich in diesem Zusammen­hang überhaupt nicht in den Mund nehmen wollen.

Letztendlich müssen wir uns alle darüber im Klaren sein: Bergedorf hängt an der S-Bahn. Es gibt keine U-Bahn-Verbindung, die hat dieser Senat verwei­gert bisher, obwohl sie irgendwann einmal in der Planung war, wie man aus Geschichtsvorlesungen hie und da weiß.

Und machen Sie sich klar: Diese Strecke ist auf Kante gestrickt, und das schon seit mehreren Jah­ren. Wenn dort nur ein Steinchen umfällt - und das neue Steinchen sind die neuen S-Bahn-Züge dann bricht dort alles zusammen. Haben Sie schon einmal versucht, Schienenersatzverkehr ab Mittler­er Landweg oder Billwerder-Moorfleet zu nehmen? Sie sind verlassen in dieser Stadt. Man glaubt gar nicht, dass es eine Millionenstadt ist. Das ist ein Gefühl, das muss man wirklich genießen können.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, insbesondere von der Regierungsfraktion, ganz klar: Das Vertrauen der Menschen in die Zuverlässigkeit, nach Ham­burg kommen zu können, ist nicht mehr da, und das Vertrauen darauf, abends nach Hause kommen zu können, ist auch ziemlich weg. Da muss nur je­mand am Bahnsteig nach einer längeren Verspä­tung sagen, der nächste Zug komme gleich, glau­ben Sie, irgendjemand traut dieser Aussage? Nein. Alle quetschen sich rein.

Ich will nicht leugnen, es gibt auch das eine oder andere Gute, was bisher passiert ist. Das Einzige, was mir jetzt angesichts des Waldes von Nichtmaß­nahmen konkret einfällt, ist die Ausweichweiche vor dem Berliner Tor. Dadurch steht der Verkehr nicht mehr komplett. Man muss sich einmal vorstel­len, was ohne diese Ausweichweiche passiert wä­re, wenn die neuen S-Bahn-Züge eingesetzt würden. Ich kann nur sagen, in Bergedorf haben wir uns jahrelang - jahrzehntelang - darüber be­schwert, dass wir immer das älteste Zugmaterial haben. Heute wären wir froh, wenn dieses Zugma­terial eingesetzt würde, denn das, was im Moment da ist, ist trotz dreifacher Software-Updates und Schildern, dass man nicht die Türen aufhalten soll ... Ja, mit welcher Einstellung geht man denn an das Verhalten der Menschen heran? Das ist doch wirklichkeitsfremd. Außer diesen Maßnahmen haben wir nicht viel gesehen.

Ich hoffe darauf, dass Sie bei Ihrem Paket jetzt nicht stehenbleiben, sondern verdammt noch mal das Ganze systemisch sehen und ein komplettes und rundes Ding machen, und zwar auch ohne Oberbillwerder. - Danke.

(Beifall bei der LINKEN und bei Dennis Gla­diator CDU)

 


Stephan Jersch ist Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft. Für die Fraktion DIE LINKE ist er Fachsprecher für Wirtschaft, Umwelt und Technologie, Medien- und Netzpolitik, Landwirtschaft, Bezirke, Tierschutz. Er vertritt seine Fraktion in den Ausschüssen für Umwelt sowie Wirtschaft, Innovation, Medien. 

So erreichen Sie Stephan Jersch: 

Büro: Weidenbaumsweg 19, 21029 Bergedorf (Bahnhofsvorplatz)

E-Mal:  stephan.jersch
Telefon: 040 / 71 18 90 90

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