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Stephan Jersch

SKA: Leidensweg S2/S21, ein Risiko für den modal split!

Zu den auffällig vielen Ausfällen beziehungsweise Verspätungen auf der S-Bahn-Strecke Bergedorf-Hamburg laviert der Senat. So weise diese Strecke ein »gutes Pünktlichkeitsniveau« auf, »sodass die Ausschöpfung der Fahrgastpotentiale bislang nicht nachhaltig geschmälert« worden seien. Auch seien »Für eine weitere Verkehrsverlagerung vom motorisierten Individualverkehr auf die Schiene (...) zum Beispiel mit der Ausweitung des Fahrplanangebots und der Kapazitäten zum Fahrplanwechsel 2018/2019 wichtige Maßnahmen umgesetzt« worden - welche das sein sollen, gibt der Senat allerdings nicht an. Indes kommen Fahrgäste weiterhin zu spät zur Arbeit, zu Terminen etc.

14. Juni 2019

Schriftliche Kleine Anfrage
des Abgeordneten Stephan Jersch (DIE LINKE) vom 06.06.2019
und Antwort des Senats
- Drucksache 21/17481 -


Betr.:    Leidensweg S2/S21, ein Risiko für den modal split!

Die Freie und Hansestadt Hamburg setzt, nicht erst seit der Absichtserklärung des 1. Bürgermeisters für einen 'Hamburg Takt', auf die Verlagerung der Verkehre weg vom Motorisierten Individualverkehr. Gerade auch das Funktionieren des Großprojekts Oberbillwerder ist existentiell von der Leistung der S-Bahnstrecke Hamburg-Bergedorf abhängig.
Mit den Schriftlichen Kleinen Anfrage 21/15948 ('Pünktlichkeit und Störungen S-Bahn-Strecke Hamburg-Hauptbahnhof - Hamburg-Bergedorf') und 21/16231 ('Verspätungen der S-Bahnen Richtung Bergedorf') durch die MdHBs Christel Oldenburg (SPD) und Dennis Gladiator (CDU) wurde auf die für die Pendlerinnen und Pendler belastende Situation im täglichen Verkehr eingegangen. Demnach sinkt die Pünktlichkeitsquote seit Jahren kontinuierlich ab. Der durch den Einsatz der neuen S-Bahnzüge auch erwartete Gewinn an Zuverlässigkeit scheint eher gegenteilige Auswirkungen gehabt zu haben.

Vor diesem Hintergrund frage ich den Senat:

Der Senat beantwortet die Fragen teilweise auf der Grundlage von Auskünften der Deutschen Bahn AG (DB) wie folgt:

 

1. Wie viel Zugausfälle der Linien S2 und S21 gab es seit Januar 2018 auf den beiden Linien auf der Strecke?

Nach Angaben der S-Bahn Hamburg GmbH gab es im Jahr 2018 auf den Linien S2 und S21 rund zwei Prozent Zugausfälle, im Jahr 2019 fielen dort bis einschließlich Monat Mai rund fünf Prozent der Züge aus. Die Veränderung von 2018 zu 2019 wird vornehmlich auf die Langsamfahrstelle an der Bille-Brücke sowie den verstärkten Einsatz der Baureihe (BR) 490 zurückgeführt.

 

2. Wie hat sich das Verhältnis zwischen pünktlichen Zügen auf den Linien S2 und S21 und unpünktlich fahrenden oder ausgefallen Zügen seit der Einführung des neuen S-Bahntyps Br. 490 entwickelt?

Zum Fahrplanwechsel im Dezember des Jahres 2018 wurden 18 Fahrzeuge der BR 490 eingeflottet. Im gesamten Jahr 2018 betrug die Linienpünktlichkeit auf der Linie S2 87,9 % und bei der S21        92,3 %, in den Monaten Januar bis Mai des Jahres 2019 lag sie bei der S2 bei 84,3 % sowie bei der S21 bei 90,4 %.

 

3. Wie viele Züge mussten seit Januar 2018 aus „technischen Gründen am Zug“ ihre Fahrt unterbrechen? Bitte aufführen wie viele von diesen Zügen die Fahrt zu einem späteren Zeitpunkt fortsetzen konnten oder komplett aus dem Streckendienst genommen und zur Reparatur gebracht werden mussten? Bitte pro Monat und mit Ursache der Ausfälle aufführen. Bitte, soweit verfügbar, diese Zahlen nach den Betriebszeiten 5 - 9 Uhr, 9 - 15 Uhr, 15 - 19 Uhr und ab 19 Uhr (bis 5 Uhr am nächsten Morgen) aufführen.

Die S-Bahn Hamburg GmbH führt nach eigenen Angaben keine Erhebung entsprechend der Fragestellung.

 

4. Wie viele Fahrgäste sind seit Januar 2018 von Ausfällen oder Verspätungen auf den S-Bahnlinien S2 und S21 betroffen? Bitte pro Monat aufführen.

Es werden Statistiken über die Zahl der Zugausfälle insgesamt, jedoch nicht über die Zahl betroffener Fahrgäste geführt.

 

5. Welche Streckenkilometer werden seit Januar 2018 mit welchen Zugtypen auf den beiden S-Bahnlinien geleistet und wie viele Triebzüge der einzelnen Baureihen kamen zum Einsatz?

Die Fahrzeugbaureihen der Hamburger S-Bahn werden grundsätzlich frei auf allen Linien eingesetzt, wobei bestimmte Restriktionen z.B. bezüglich des Einsatzes auf Strecken mit Gleich- und Wechselstrombetrieb zu beachten sind. Mit Stand der 24. Kalenderwoche werden die vorhandenen 34 Fahrzeuge der BR 490 vornehmlich auf den Linien S2 und S21 eingesetzt, die 42 Fahrzeuge der BR 474.3 (Zweisystemzüge für die Bedienung der Strecke nach Stade) werden überwiegend auf der S3 eingesetzt. Die derzeit noch vorhandenen 44 Fahrzeuge der BR 472 verkehren vorrangig auf den Linien S21, S2 und S11. Die 70 Fahrzeuge der BR 474 (Einsystem) werden auf den Linien S1, S11, S3, S31 und teilweise auch S21 und S2 eingesetzt.

Angaben dazu, wieviele Kilometer die Fahrzeuge der einzelnen Baureihen auf welcher Strecke zurückgelegt haben (Fahrzeugkilometer), sind in der für die Beantwortung von parlamentarischen Anfragen zur Verfügung stehenden Zeit nicht möglich.

 

6. Welche Einsatzzeiten weisen die neuen Züge (Br.490) im Vergleich zu den bereits länger im Einsatz befindlichen Zugserien (bitte pro Baureihe anführen) auf, d.h. wie lange standen die Züge wegen Werkstattaufenthalten o.ä. nicht für den Einsatz zur Verfügung?

Die Neubaufahrzeuge der BR 490 befinden sich noch in der Einflottung und in einem Probebetrieb. Sie werden dabei regelmäßig im Fahrgastbetrieb eingesetzt und können aus dem Fahrgastbetrieb für Tests ohne Fahrgäste herausgezogen werden.

 

7. Welche Kapazitäten (Anzahl der Busse und Platzangebot, Anzahl der Busfahrerinnen und Busfahrer)  für Busersatzverkehre wurden bei Streckensperrungen eingesetzt?

Zu unterscheiden sind geplante und ungeplante Streckensperrungen. Bei geplanten Streckensperrungen, wie z.B. bei langfristig vorzubereitenden Baustellen, werden jeweils Schienenersatzverkehre (SEV) mit Bussen eingerichtet. Die Kapazitäten orientieren sich nach der durchschnittlichen Anzahl der täglich reisenden Fahrgäste der betroffenen Zugfahrten. Bei ungeplanten Streckensperrungen wie etwa kurzfristig auftretende Störungen werden Taxi- und Busnotverkehre (BNV) bei Taxi- und Busunternehmen abgerufen, mit denen entsprechende vertragliche Regelungen bestehen. Zeitpunkt, Umfang und Kapazität solcher Notverkehre richten sich nach den zum jeweiligen Zeitpunkt von den Unternehmen bereitstellbaren personellen und fahrzeugseitigen Ressourcen sowie den erforderlichen Anfahrtswegen zum unterbrochenen Streckenabschnitt des Schienenverkehrs.

 

8. Bei Verspätungen oder Ausfällen warten die mindestens eine Stunde vor geplanter Abfahrt zu reservierenden Anrufsammeltaxis (AST) nicht auf die ankommenden S-Bahnen. Dies verursacht entweder erhebliche Wartezeiten oder Zusatzkosten für privat finanzierte Taxifahrten. Hat der Senat Kenntnis von Verträgen, Absprachen oder Anweisungen zwischen dem HVV und den Taxen-Verbänden, die verhindern, dass auf verspätete S-Bahnen gewartet wird?

Die Anrufsammeltaxen warten in der Regel auf ihre Fahrgäste.

 

9. Welche Bus-Kapazität (Anzahl und Plätze) steht kurzfristig für Busersatzverkehre an welchen Betriebshöfen zur Verfügung? Wie erfolgt der Einsatz der  Busfahrerinnen und Busfahrer für den Ersatzverkehr (Rufbereitschaft, 'Anruf in der Freizeit') und innerhalb welcher Zeitspanne sind diese dann am Einsatzort?

Siehe Antwort zu 7.

 

10. Wie lange dauert es bis der erste Busersatzverkehr jeweils an den betroffenen Haltestellen eintrifft und bei welchen Sperrungen war der Busersatzverkehr erst nach der Aufhebung der Streckensperrung verfügbar? Bitte pro Haltestelle zwischen Bahnhof Bergedorf und Billwerder-Moorfleet aufführen.

Bei Busnotverkehren werden in der Regel freie Fahrzeuge aus den nahegelegenen Busbetriebshöfen an den gestörten Streckenabschnitt herangeführt. Auf der Bergedorfer S-Bahn gibt es drei mögliche Sperrabschnitte, die einzeln oder zusammen auftreten können: Berliner Tor – Tiefstack/Billwerder-Moorfleet, Tiefstack/Billwerder-Moorfleet – Bergedorf sowie Bergedorf – Aumühle. Je nach Distanz zu dem jeweiligen Abschnitt dauert die Heranführung bis zu 30 Minuten. Daher wird in der Regel versucht, zwischenzeitlich einen Taxi-Notverkehr als Vorstufe anzubieten.

 

11. Wie hoch schätzt der Senat das Potential an Individualverkehr ein, der bei einer zuverlässigen Bahnanbindung auf die Schiene ausweichen würde?

Trotz aktueller Herausforderungen erreicht die S-Bahn Hamburg auch auf der Bergedorfer Strecke weiterhin ein gutes Pünktlichkeitsniveau, sodass die Ausschöpfung der Fahrgastpotentiale bislang nicht nachhaltig geschmälert wurde. Für eine weitere Verkehrsverlagerung vom motorisierten Individualverkehr auf die Schiene wurden zum Beispiel mit der Ausweitung des Fahrplanangebots und der Kapazitäten zum Fahrplanwechsel 2018/2019 wichtige Maßnahmen umgesetzt.

 

12. Zeitkritische Termine in Hamburg wahrzunehmen ist mit der Nutzung der S-Bahn mittlerweile ein nicht kalkulierbares Risiko. Demzufolge ist es nicht verwunderlich, dass eine Anzahl von Pendlerinnen und Pendlern mittlerweile, zumindest zeitweise, mit dem Auto nach Hamburg pendelt. Gibt es Zahlen darüber in welcher Relation die Pünktlichkeit (inklusive der Zugausfälle) des S-Bahnangebots zur Verlagerung des Verkehrs auf die Straße steht?
a. Wenn ja: Welche Auswirkungen haben Zugverspätungen auf die (Rück-)Verlagerung des Verkehrs auf die Straße?

Nein.

 

13. Die Anbindung Bergedorfs und der östlichen Umlandgemeinden Schleswig-Holsteins ausschließlich über die S21/S2 (nur am Bergedorfer Bahnhof steht der RE1 bzw. der Schnellbus 31 zur Verfügung) ist für die Nutzerinnen und Nutzer ein Risiko. 'Personen im Gleis', Notarzt- oder Polizeieinsätze u.ä. sind zumeist unbeeinflussbare Vorkommnisse. Nichtsdestotrotz ist es für Menschen, die deswegen an den Haltestellen zwischen Nettelnburg und Billwerder/Moorfleet stehen, ein Problem ihren Zielort zu erreichen, solange der Busersatzverkehr nicht angelaufen ist. Welche Kapazitäten stehen in welcher Taktung an den S-Bahnstationen Nettelnburg, Allermöhe, Mittlerer Landweg und Billwerder Moorfleet im regulären Linienbetrieb zur Verfügung um entweder zur nächsten U-Bahn-Haltestelle oder direkt in die Hamburger Innenstadt (bzw. nach Bergedorf, in die entgegengesetzte Richtung) zu gelangen?

In Bergedorf halten zahlreiche Züge des Regionalverkehrs und einzelne Fernverkehrszüge. Auch in vielen östlich gegelegenen Gemeinden in Schleswig-Holstein gibt es Angebote des Schienenpersonennahverkehrs.

Die Stadtteile Hamburgs westlich von Bergedorf verfügen neben der Schnellbahnanbindung ebenso über ein eng geknüpftes Busnetz:
Alternative Fahrtmöglichkeiten bieten an den angefragten Haltestellen folgende Buslinien:

Bf. Nettelnburg

  • Metrobus 12 (Ri. Bf. Bergedorf - U Mümmelmannsberg - U Billstedt),
  • alle 20 Minuten mit Gelenkbus
  • Stadtbus 234 (Ri. Lohbrügge – Bf. Bergedorf), alle 10 Minuten mit Gelenkbus
  • Stadtbus 235 (Ri. Bf. Bergedorf), alle 20 Minuten mit Standardbus

Bf. Allermöhe

  • Metrobus 12 (Ri. Bf. Bergedorf - U Mümmelmannsberg - U Billstedt),
    alle 20 Minuten mit Gelenkbus

Bf. Mittlerer Landweg

  • Stadtbus 230 (Ri. U Billstedt), alle 20 Minuten mit Standardbus
  • Stadtbus 330 (Ri. U Billstedt), alle 60 Minuten mit Standardbus

Bf. Billwerder-Moorfleet

  • Stadtbus 230 (Ri. U Billstedt), alle 20 Minuten mit Standardbus
  • Stadtbus 432 (Ri. U Billstedt), alle 30 Minuten mit Standardbus

Die Angaben beziehen sich auf den Zeitraum von montags bis freitags zwischen 6 und 19 Uhr. Außerhalb davon kann ein geringeres Leistungsangebot vorhanden sein.

 

14. Gibt es Gespräche mit der Deutschen Bahn sowie deren Tochter S-Bahn Hamburg  über die Erhöhung der Zuverlässigkeit der S-Bahnanbindung von und nach Bergedorf? Wenn ja: mit welchen konkreten Ergebnissen?

a. Wenn nein: Warum nicht?

Ja. Bei den Gesprächen gab es folgende Vereinbarungen:

-    Einrichtung eines „runden Tischs“ mit den Eisenbahninfrastruktur- und Verkehrsunternehmen,
-    Schaffung einer verbesserten Verfügbarkeit der Baureihe 490 mit dem Hersteller,
-    Verbesserung des Schutzes der Bahnanlagen/Gleise vor unbefugtem Betreten durch Zäune und Bahnsteigabschlusstüren und
-    Verbesserung der Kundeninformation.

 

15. Wo müssen Beschwerden bezüglich der Pünktlichkeit der S-Bahn eingehen, damit diese in die Beschwerdestatistik einfließen?

Kundeneingaben, die beim HVV und/oder der S-Bahn Hamburg eingehen, werden dort unter dem jeweiligen Thema registriert.


Stephan Jersch ist Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft. Für die Fraktion DIE LINKE ist er Fachsprecher für Wirtschaft, Umwelt und Technologie, Medien- und Netzpolitik, Landwirtschaft, Bezirke, Tierschutz. Er vertritt seine Fraktion in den Ausschüssen für Umwelt sowie Wirtschaft, Innovation, Medien. 

So erreichen Sie Stephan Jersch: 

Büro: Weidenbaumsweg 19, 21029 Bergedorf (Bahnhofsvorplatz)

E-Mal:  stephan.jersch
Telefon: 040 / 71 18 90 90

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