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Stephan Jersch

SKA: Wasserstoff als Schlüsseltechnologie?

Auf den Verzicht auf blauen Wasserstoff, der fossilen Ursprungs ist, möchte sich der Senat nicht festlegen.

4. Februar 2020

Schriftliche Kleine Anfrage
der Abgeordneten Heike Sudmann und Stephan Jersch (DIE LINKE) vom 29.01.2020
        und Antwort des Senats
- Drucksache 21/19932 -


Betr.:    Wasserstoff als Schlüsseltechnologie?

Mit dem Projekt Norddeutsche Energiewende 4.0 soll im Verbund mit Schleswig-Holstein die vollständige Transformation des hamburgischen Energiesystems und damit die Dekarbonisierung vorangetrieben werden. Eines der zentralen Projekte von NEW 4.0 ist das vom BMWi geförderte Norddeutsche Reallabor. Die Schlüsseltechnologie zur Energiegewinnung und Speicherung soll der „grüne Wasserstoff“ sein. Hierzu wird zudem eine konsequente Sektorenkopplung betont. Diese schließt auch die Sektoren Verkehr und Mobilität ein. Die Hamburger Hochbahn hat bereits mit der Etablierung von brennstoffzellenbetriebenen Bussen einen Vorstoß gemacht. Für einen Großteil der deutschen Automobilindustrie hingegen ist der Wasserstoffantrieb bisher keine Alternative

Ich frage den Senat:

Am 7. November 2019 haben die Wirtschafts- und Verkehrsminister und -Senatorinnen bzw.                  -Senatoren der fünf norddeutschen Küstenländer (Freie Hansestadt Bremen, Freie und Hansestadt Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein) ihre gemeinsame Wasserstoffstrategie verabschiedet. Diese Strategie verfolgt das übergeordnete Ziel, – den zügigen Abbau der bislang bestehenden Hemmnisse durch den Bund vorausgesetzt – bis zum Jahr 2035 eine grüne Wasserstoffwirtschaft in Norddeutschland errichtet zu haben. Hierbei soll der Anteil grünen Wasserstoffs am insgesamt eingesetzten Wasserstoff schrittweise bis auf möglichst einhundert Prozent gesteigert werden (siehe Norddeutsche Wasserstoffstrategie¹).

Dies vorausgeschickt, beantwortet der Senat die Fragen teilweise auf der Grundlage von Auskünften der Hamburger Hochbahn AG (Hochbahn), der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein GmbH (VHH) und der hySOLUTIONS GmbH  wie folgt:


1. Setzt die Stadt Hamburg weiter auf „grünen“ Wasserstoff als Schlüsseltechnologie für den Hamburger Nahverkehr?

Gemäß dem Ziel des Senats, beschaffen die Hochbahn und die VHH ab dem Jahr 2020 ausschließlich lokal emissionsfreie Busse. Dabei wird grundsätzlich ein technologieoffener Ansatz verfolgt. Derzeit liegt der Fokus bei der Beschaffung auf Batteriebussen. Wasserstoffbusse werden insbesondere in Bezug auf höhere Reichweiten als gute Option gesehen. Die Entwicklungen in der Wasserstoff-/ Brennstoffzellentechnologie werden aktiv begleitet. Voraussetzung für die Beschaffung ist, dass die Fahrzeuge serienreif sind und einen robusten und zuverlässigen Betrieb ermöglichen. Im Übrigen siehe Vorbemerkung.

Wenn ja:
a.  gibt es hierzu Zahlen für mögliche Investitionen und zum Kauf von Bussen?
b. Wer stellt diese her und um welche Modelltypen handelt es sich?

Die Beschaffung von Wasserstoffbussen ist derzeit in Planung. Angaben zur Höhe der notwendigen Investitionen sowie zu den Modelltypen liegen noch nicht vor.

c. Werden die sich im Betrieb befindenden Busse mit „grünem“ Wasserstoff angetrieben?
d. Wenn nein, warum nicht?

Die aktuell in Hamburg im Betrieb befindlichen Busse, die Wasserstoff benötigen, werden an einer öffentlichen Wasserstofftankstelle betankt. Das Betreiberkonsortium der Wasserstofftankstellen in Deutschland, H2 MOBILITY Deutschland GmbH & Co. KG, hat aufgrund wirtschaftlicher Kriterien entschieden, für die Versorgung der betreffenden Tankstelle in Hamburg Wasserstoff einzusetzen, der als Nebenprodukt aus einer industriellen Produktion im Bereich der Chemie (Chlor-Alkali-Elektrolyse) anfällt. Der für die Chlor-Alkali-Elektrolyse erforderliche Strom wird in dem betreffenden Werk derzeit aus dem öffentlichen Stromnetz bezogen. Somit enthält dieser Strom aktuell einen durchschnittlichen Anteil von 38,2 Prozent an Erneuerbaren Energien (Bundesmix 2018, Stand: 08.08.2019)². Demzufolge ist auch der als Nebenprodukt anfallende Wasserstoff zu einem entsprechenden Anteil „grüner“ Wasserstoff. Im Übrigen siehe Vorbemerkung.

2. Woher stammt der bisher verwendete Wasserstoff und wird dieser aus erneuerbaren Energien gewonnen?

Siehe Antwort zu 1.c und d.

3. Wird beim Ausbau der „grünen Wasserstofftechnologie“ der Einsatz in Personenkraftfahrzeugen mitgedacht?

a. Wenn ja, inwiefern?

In der Norddeutschen Wasserstoffstrategie werden Aussagen zur Erforderlichkeit des Aufbaus eines Wasserstoff-Tankstellennetzes und allgemein zum Bereich „Wasserstoff in der Mobilität“ getroffen. Als Ziel wurde formuliert: „Die norddeutschen Länder werden sich für günstige Rahmenbedingungen einsetzen, sodass bis 2025 die Nachfrage nach grünem Wasserstoff zur Anwendung im Mobilitätssektor deutlich steigt.“ Hiervon jeweils umfasst ist auch der Einsatz von Wasserstoff in Pkw.

b. wenn nein, warum nicht?

Entfällt.

4. Sieht Hamburg, anders als die deutsche Automobilindustrie, Chancen in der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie für den Individualverkehr?

Die zuständige Behörde ist der Auffassung, dass zukünftig die brennstoffzellenbasierte Elektromobilität auch im Individualverkehr einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung der Emissionen von Treibhausgasen leisten kann.

5. Wie viele Brennstoffzellen-betriebene PKW’s sind in Hamburg zugelassen?

Zum Stichtag 1. Januar 2020 waren in Hamburg 39 mit einer Wasserstoff-Brennstoffzelle betriebene Pkw zugelassen (Quelle: LBV).

6. Gibt es Zahlen zur Auslastung der Wasserstofftankstellen in Hamburg?
a. Wenn Ja. Wie viele Tankvorgänge mit welchen Wasserstoffmengen gab es in den letzten 10 Jahren? (Bitte nach Jahren aufschlüsseln)

Zahlen zur Auslastung der Wasserstofftankstellen in Hamburg liegen der zuständigen Behörde nicht vor. Im Übrigen siehe Antwort zu 1.c und d.

7. In einer Zusammenfassung zum Norddeutschen Reallabor werden 18 sogenannte Verwertungspartner und 30 weitere Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft erwähnt. Hierzu bitten wir um eine Auflistung dieser Partner.

Das Projekt befindet sich gegenwärtig in der Phase der Antragstellung. Eine detaillierte Liste der Projektpartner zu erstellen liegt in der Verantwortung des Projektkonsortiums und wird voraussichtlich nach erfolgreicher Antragstellung erfolgen.

8. Für wie lange ist das Projekt Norddeutsches Reallabor angesetzt?

Die Projektlaufzeit der Reallabore beträgt fünf Jahre. Ein Zeitplan für das Norddeutsche Reallabor kann erst verbindlich erstellt werden, wenn der Förderbescheid vorliegt.

9. Wie viel Mittel der Stadt Hamburg werden hierfür aus welchen Produktgruppen in welchem Einzelplan geplant aufgewendet?

Der Senat hat bisher keine Finanzmittel für das Projekt „Norddeutsches Reallabor“ aufgewendet, und es sind hierfür derzeit auch keine Mittel im Jahr 2020 eingestellt.

10. Soll Wasserstoff auch aus anderen Ländern importiert werden?

In dem Zielszenario einer umfassenden Wasserstoffwirtschaft werden erhebliche Mengen grünen Wasserstoffs erforderlich sein, um die Nachfrage, insbesondere auch aus dem Industriesektor, bedienen zu können. Da die Potenziale zum Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland zwar sehr hoch, aber dennoch begrenzt sind, werden ab dem Zeitpunkt ihrer vollen Ausschöpfung Energieimporte zur Sicherung einer funktionierenden Sektorenkopplung unumgänglich sein (Vgl. Norddeutsche Wasserstoffstrategie).

Wenn Ja: Mit welchen Importmengen ist dabei zu rechnen?

Zu künftig zu erwartenden Importmengen hat der Senat keine Kenntnis.

11. Will Hamburg ausschließlich „grünen“ Wasserstoff verwenden?

Siehe Vorbemerkung.

12. Die Wasserstofftechnologie ist unter anderem deswegen besonders interessant, weil große Mengen erneuerbarer Energien nicht verwertet bzw. mangels Stromtrassen nicht in den Süden transportiert werden können. Wenn dies jedoch mit dem geplanten Bau einer Trasse zwischen Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen möglich wird, ist die Herstellung von Wasserstoff dann noch sinnvoll?

Ja. Die Wasserstofftechnologie und hierauf basierende Verfahren zur Herstellung synthetischer Kraftstoffe werden mit zunehmendem Anteil erneuerbarer Energien als Dekarbonisierungsoptionen in speziellen Bereichen, insbesondere in der Industrie, im Schwerlast-, Schiffs- und Flugverkehr sowie als großvolumiger und saisonaler Speicher und Transportmedium, an Bedeutung gewinnen. Vor diesem Hintergrund steht der Ausbau der Stromnetze dem Aufbau einer grünen Wasserstoffwirtschaft nicht entgegen. Vielmehr sollten die dafür notwendigen Technologien und Infrastrukturen unabhängig von temporären Netzengpässen bereits jetzt zur vollen Marktreife entwickelt bzw. aufgebaut werden.

Die norddeutschen Länder begreifen den Aufbau einer grünen Wasserstoffwirtschaft zudem als Chance zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Norddeutschland. Sie werden mit ihrer Wirtschaftspolitik attraktive Standortperspektiven für hier ansässige und anzusiedelnde Unternehmen bieten, um Wertschöpfung und qualifizierte Arbeitsplätze in der Region zu erhalten und neue zu schaffen (vgl. Norddeutsche Wasserstoffstrategie).

13. Im Klimapaket des Bundes wird die Wasserstofftechnologie zwar erwähnt, jedoch keine konkreten Ansätze zur Umsetzung genannt. Hamburg ist hier mit der Planung eines Kraftwerks für Elektrolyse schon weiter. Inwiefern sieht der Senat für das Klimapaket in Bezug auf Wasserstoff Nachbesserungsbedarf?

Die zuständige Behörde sieht dringenden Bedarf an einer Wasserstoffstrategie auf Bundesebene, die insbesondere auch Maßnahmen zur Optimierung des energierechtlichen Rahmens zugunsten der Wasserstofftechnologie und der Sektorenkopplung enthalten sollte. Eine solche Nationale Strategie Wasserstoff wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie bereits für Ende letzten Jahres angekündigt. Sie soll sich nach Medienberichten derzeit in der Ressortabstimmung auf Bundesebene befinden.

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¹ https://www.hamburg.de/contentblob/13179812/f553df70f865564198412ee42fc8ee4b/data/wasserstoff-strategie.pdf

² BDEW, Datenerhebung 2018. Bundesmix 2018. Stand: 08.08.2019. Durchschnittswerte der allgemeinen Stromversorgung in Deutschland, https://www.bdew.de/media/documents/20190808_Bundesdeutscher-Strommix-2018.pdf.


Stephan Jersch ist Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft. Für die Fraktion DIE LINKE ist er Fachsprecher für Wirtschaft, Umwelt und Technologie, Medien- und Netzpolitik, Landwirtschaft, Bezirke, Tierschutz. Er vertritt seine Fraktion in den Ausschüssen für Umwelt sowie Wirtschaft, Innovation, Medien. 

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