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Stephan Jersch

Gepäckabfertigung im Flughafen Hamburg: Wie hält es der Senat mit der Leiharbeit?

Mehr noch als in den Vorjahren traten am Flughafen Hamburg in diesem Jahr Probleme bei der Gepäckabfertigung auf. Fluggäste mussten teils mehrere Stunden lang auf ihr Gepäck warten. Es soll auch vorgekommen sein, dass ein Pilot weiterflog, ohne dass das Gepäck der in Hamburg gelandeten Fluggäste rechtzeitig ausgeladen werden konnte.

3. November 2017


Schriftliche Kleine Anfrage

der Abgeordneten Deniz Celik und Stephan Jersch (DIE LINKE) vom 26.10.2017

und Antwort des Senats

- Drucksache 21/10784 -


Betr.: Gepäckabfertigung im Flughafen Hamburg: Wie hält es der Senat mit der Leiharbeit?

Mehr noch als in den Vorjahren traten am Flughafen Hamburg in diesem Jahr Probleme bei der Gepäckabfertigung auf. Fluggäste mussten teils mehrere Stunden lang auf ihr Gepäck warten. Es soll auch vorgekommen sein, dass ein Pilot weiterflog, ohne dass das Gepäck der in Hamburg gelandeten Fluggäste rechtzeitig ausgeladen werden konnte.

Der Flughafen Hamburg sucht nach Aussagen des Geschäftsführers der Flughafen GmbH (FHG) „händeringend“ nach Personal in diesem Bereich. Nun fällt eine Stellenanzeige auf, mit der eine Zeitarbeitsfirma Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter für die Gepäckabfertigung in Hamburgs Flughafen sucht.

Tatsächlich hatte bis vor wenigen Jahren die Zahl der Beschäftigten bei den Luftfahrtgesellschaften kontinuierlich abgenommen, so eine Studie der wmp consult im Auftrag der Hans-Boeckler-Stiftung.1 Demnach hatte die FHG wegen der Preis- und Kostenkonkurrenz unter den Fluggesellschaften Handlingsaufgaben auf Dienstleister mit geringeren Entlohnungsstrukturen ausgelagert. Das Gehaltsniveau der Beschäftigten im Vergleich zu anderen Flughäfen Deutschlands wurde immer wieder thematisiert (z.B. Drs. 21/10061) und als ein Grund für die personelle Unterbesetzung dieses Bereichs des Flughafens angeführt. Bei GroundSTARS, dem für die Gepäck- und Flugzeugabfertigung zuständigen Tochterunternehmen der FHG, gab es 2013 laut der o.a. Studie durch die Übernahme von Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmern erstmals seit Jahren wieder einen deutlichen Zuwachs an Beschäftigten.

Gemäß dem Personalbericht 2017 (Drs. 21/10200) hatte das Personalamt der Freien und Hansestadt Hamburg eine auch im Hinblick auf Leiharbeit verbindliche Handlungsanweisung für die Kernverwaltung sowie den Zuwendungsbereich der FHH erstellt und am 6.04.2017 den Behörden und Ämtern bekanntgegeben. Für öffentliche Unternehmen stellte der Senat eine daran angelehnte Regelung durch einen Beschluss der Senatskommission für öffentliche Unternehmen in Aussicht.

Vor diesem Hintergrund fragen wir den Senat:

Der Senat hat in seiner Richtlinie über die Beschäftigung von Leiharbeitskräften in den Beteiligungen der Freien und Hansestadt Hamburg festgelegt, dass Leiharbeit auf ein Mindestmaß reduziert und nicht zur Steigerung der allgemeinen Wirtschaftlichkeit eingesetzt werden darf. Der Grundsatz des „Equal Pay for Equal Work“ ist einzuhalten. Reguläre, auf Dauer angelegte Funktionen sollen nicht mit Leiharbeitskräften besetzt werden. Im Rahmen dieser Vorgabe stellt die Beschäftigung von Leiharbeitskräften jedoch ein geeignetes Mittel für Unternehmen dar, vorübergehende/zeitlich befristete Personalbedarfe, die durch unvorhersehbare individuell begründete Ausfälle von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern oder aufgrund von Arbeitsspitzen entstehen, zu überbrücken. Dies wird auch von der HAM Ground Handling GmbH & Co. KG (im Folgenden als HAM Ground Handling Gruppe bezeichnet) im Rahmen der übergeordneten Vorgaben entsprechend genutzt. Derzeit beträgt dort der Anteil an Leiharbeitskräften 5,0 % (49 Beschäftigte).

Dies vorausgeschickt, beantwortet der Senat die Fragen teilweise auf der Grundlage von Auskünften der Flughafen Hamburg GmbH (FHG) wie folgt:

1. Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind insgesamt in der Gepäckabfertigung des Hamburger Flughafens eingesetzt? Bitte die Zahlen für den 31.12.2016 sowie die aktuelle Zahl und die Zielzahl aufführen.

[Grafik s. PDF-Anhang]

Ziel für den Sommerflugplan 2018 (31. März - 31. Oktober 2018) ist saisonbedingt eine Personalstärke von ca. 990 bis 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu erreichen, wenn das Aufkommen und der Marktanteil konstant bleiben. Im Übrigen siehe Drs. 21/10061.

2. Wie viele dieser Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind aktuell in Vollzeit und wie viele in Teilzeit angestellt?

Derzeit sind 71 % Vollzeitbeschäftigte, 21 % Teilzeitbeschäftigte und 8 % Geringfügig Beschäftige. Die HAM Ground Handling Gruppe stellt derzeit die Vertragsstrukturen um, sodass es per Ende des Jahres 85 % Vollzeitbeschäftigte und 15 % Teilzeit-, bzw. Geringfügig Beschäftigte sein werden.

3. Wie viele dieser Stellen sind unbefristet und wie viele sind befristet?

70 % der Arbeitsverträge sind unbefristet; 30 % der Arbeitsverträge sind befristet.

4. Wie viele unbesetzte Stellen gibt es?

Siehe Antwort zu 1.

5. Wie viele der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt (ohne geringfügig entlohnte Personen, die nur wegen der gesetzlichen Neuregelung in den Kreis der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gelangt sind)?

Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt.

6. Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind aktuell von Zeitarbeitsfirmen entliehen und wie viele waren es am 31.12.2016, am 31.12.3015 und am 31.12.2014?

In den Jahren 2014 und 2015 wurden keine Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter eingesetzt. Seit Mitte des Jahres 2016 setzt die HAM Ground Handling Gruppe temporär Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter ein. Derzeit werden 49 Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter eingesetzt.

7. Wie hoch ist der Anteil so genannter Flex-Arbeitsverträge („Arbeit auf Abruf“) an allen Arbeitsverträgen und wie viele davon entfallen auf Leiharbeitnehmerinnen und -nehmer?

Siehe Antwort zu 2. Alle Leiharbeitskräfte sind Vollzeitkräfte.

8. Bei wie vielen Leiharbeitskräften und Beschäftigten mit Flex-Arbeitsverträgen ist seit Anfang 2014 eine Übernahme als Vollzeitkraft erfolgt?

Aufgrund des außerplanmäßigen Passagierwachstums bestand erst ab 2016 die Notwendigkeit, auf Leiharbeitskräfte zurückzugreifen (Flex-Arbeitsverträge gibt es dort nicht). Bei den Beschäftigten der HAM Ground Handling Gruppe sind seit 2014 mehr als 186 Beschäftigte von Flex-Arbeitsverträgen auf Vollzeit-Verträge umgestellt worden. Leiharbeitskräfte werden in Stoßzeiten eingesetzt, um eine außerplanmäßig hohe Arbeitslast aufzufangen. Für den planmäßigen Einsatz ist die HAM Ground Handling Gruppe zuständig und wird dabei verstärkt durch die FHG unterstützt. Den Leiharbeitskräften ist es natürlich ebenso möglich, sich auch auf die ausgeschriebenen Stellen zu bewerben.

9. Wie hat sich die durchschnittliche Fluktuation in den letzten fünf Jahren entwickelt?

Die gewichtete Fluktuation der HAM Ground Handling Gruppe betrug im Jahr 2013 15 % und im Jahr 2016 20 %.

10. Wie hat sich die durchschnittliche Verweildauer in den letzten fünf Jahren entwickelt?

Die durchschnittliche Verweildauer ist von 11,29 Jahren im Jahr 2013 auf 11,88 Jahren im Jahr 2016 gestiegen.

11. Wie hat sich der durchschnittliche Krankenstand in den letzten fünf Jahren entwickelt?

[Grafik s. PDF-Anhang]

12. Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten einen Lohn bzw. ein Gehalt nach Tarifvertrag? Bitte in absoluten Zahlen und in Prozent angeben.

Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten Ihren Lohn nach dem Tarifvertrag. Im Übrigen siehe Antwort zu 1.

13. Wie viele Leiharbeitskräfte werden aktuell beschäftigt, die für vergleichbare Arbeit weniger Geld verdienen als die fest angestellten Arbeitskräfte?

Keine.

14. Wie lange ist eine Stelle in der Gepäckabfertigung durchschnittlich von derselben Mitarbeiterin bzw. demselben Mitarbeiter besetzt und wie hat sich diese Durchschnittsdauer seit Anfang 2014 entwickelt?

Siehe Antwort zu 10.

15. Welche Angebote an Weiterbildungsqualifikationen gibt es für diese Beschäftigten?

a) Wie viele Beschäftigte haben seit Anfang 2014 an Weiterbildungsqualifikationen teilgenommen? Bitte monatlich aufführen und die erworbene Qualifikation nennen.

b) Wie viele Beschäftigte besitzen eine Qualifikation und wie unterscheidet sich die Bezahlung im Vergleich zu den unqualifizierten Beschäftigten?

Die Zahlen konnten in der für die Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage zur Verfügung stehenden Zeit nicht überprüft werden, da die Qualifikationen der Mitarbeiter nicht in dem Stammdatensystem (SAP) der FHG hinterlegt ist. Ein Überblick über die Ausbildung der Mitarbeiter ist somit nur über die Personalakte möglich. Die FHG bietet ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein großes Weiterbildungsangebot an. Dieses umfassende Angebot steht allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zur Verfügung.

16. Worin bestehen die „vielen vorzeigbaren Zusatzleistungen“ konkret, die Christian Noack, Leiter Bodenverkehrsdienste, den zurzeit gesuchten Personen für die Flugzeug- und Gepäckabfertigung in Aussicht stellt2 und gelten diese auch für Leiharbeitskräfte?

Es handelt sich beispielsweise um tätigkeitsbezogene Zuschläge, ereignisbezogene Zulagen, Ergebnisbeteiligung, Urlaubs-/Weihnachtsgeld, Gestellung einer HVV Proficard, Gestellung eines Mitarbeiterparkplatzes, diverse sportliche Aktivitäten im Rahmen des Betriebssportes, Partizipation an der praktizierten und mit dem Hamburger Gesundheitspreis ausgezeichneten beruflichen Gesundheitsförderung (inkl. Schutzimpfungen, Ernährungsberatungen, Kräftigungstherapien, etc.), Preisnachlässe bei diversen externen Konzessionären am Flughafen, kostenfreie Weiterbildungsprogramme (bis zum IHK Abschluss des geprüften Flugzeugabfertigers).

17. Vor dem Hintergrund der auch im Hinblick auf Leiharbeit verbindlichen Handlungsanweisung des Personalamts: Welche Position nimmt der Senat gegenüber dem hohen Anteil an Leiharbeit im Bereich der Gepäckabfertigung am Flughafen Hamburg ein und welche Anstrengungen unternimmt er konkret, um den Anteil der Leiharbeit einzudämmen?


Siehe Vorbemerkung.




1 wmp consult, Arbeitsplatz Flughafen Hamburg, Januar 2015; http://www.boeckler.de/pdf_fof/91410.pdf , zuletzt aufgerufen am 26.10.2017

2 s. Beitrag in online-Magazin „HAMBURG FLUGHAFEN“, https://hamburg-flughafen.aero/ausgaben/hamburg-flughafen-2017-3/drei-fragen-an-christian-noack-leiter-bodenverkehrsdienste, zuletzt abgerufen am 26.10.2017

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Stephan Jersch ist Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft. Für die Fraktion DIE LINKE ist er Fachsprecher für Wirtschaft, Umwelt und Technologie, Medien- und Netzpolitik, Landwirtschaft, Bezirke, Tierschutz. Er vertritt seine Fraktion in den Ausschüssen für Umwelt sowie Wirtschaft, Innovation, Medien. 

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