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Stephan Jersch

SKA: Zusätzliche Wärmequellen südlich der Elbe

Welche zusätzlichen Wärmequellen südlich der Elbe sollen wie genutzt werden?

 

25. Oktober 2019

 Schriftliche Kleine Anfrage
des Abgeordneten Stephan Jersch (DIE LINKE) vom 17.10.2019
und Antwort des Senats
- Drucksache 21/18701 -

Betr.:    Zusätzliche Wärmequellen südlich der Elbe

Senator Kerstan kündigte bei einem Vortrag auf Einladung der Bürgerinitiative „Keine Elbtrasse!“ in der Aula der Volkshochschule Waitzstraße 31 entsprechend einem Videomitschnitt am 16. September 2019 an:
„Wir haben südlich der Elbe mehrere Aluminium-Betriebe, ein Stahlwerk, wir haben dort eine Müllverbrennungsanlage. Das sind eben die vorhandenen Wärmequellen, die wir jetzt, die wir dann eben dann für die Fernwärme nördlich der Elbe einsetzen können.“
„(...) Das ist jetzt der erste Schritt, was ich Ihnen geschildert habe. Südlich der Elbe sind aber noch weitere Betriebe, Raffinerien, noch zwei weitere Aluminiumwerke und auch noch andere Quellen, die wir zusätzlich anschließen könnten, was wir bisher zum Ersatz des Wedel-Kraftwerks noch nicht vorgesehen haben, aber da laufen jetzt auch schon Gespräche und es kommen durchaus auch schon Industriebetrieb auf uns zu, die Wärme anbieten. Insofern könnten wir – grob abgeschätzt – im Moment noch 60 000 weitere Wohneinheiten mit der Südleitung versorgen durch Abwärme von Industriebetrieben, die nun mal leider nur südlich der Elbe vorhanden sind und nördlich der Elbe nicht.“

Zur geplanten Abwasserwärmepumpe führte Senator Kerstan aus:
„Die Wärmepumpe – ich habe sie noch nicht erwähnt – wir werden südlich der Elbe ist eben auch unser Klärwerk, das größte Klärwerk Europas. Das hat durchgängig im Jahr ne Temperatur von 14 Grad, also auch im Winter und hängen wir eine großindustrielle Wärmepumpe rein, die dann eben das Fernwärmenetz mit Wärme versorgt. Eine solche Anlage gibts in Deutschland nirgendwo bisher, ist auch nirgendwo geplant. Gibt es ein zwei Anlagen in Skandinavien, sonst gibt es sowas in Europa noch nicht. Insofern ist das auch eine hochinnovative Geschichte, die wir dort machen.“

Vor diesem Hintergrund frage ich den Senat:

Die zuständige Behörde verfolgt das Ziel, industrielle Abwärme immer dann für die Wärmeversorgung der Stadt nutzbar zu machen, wenn dies technisch und wirtschaftlich darstellbar ist. Ein erstes, bereits in Umsetzung befindliches Vorhaben in diesem Sinne ist die Auskopplung von Abwärme der Fa. Aurubis zur Wärmeversorgung der östlichen HafenCity.

Senator Kerstan hat in der in der Anfrage genannten Veranstaltung anhand einer umfangreichen Präsentation das neue Wärmekonzept des Senats und dabei insbesondere den geplanten Energiepark Hafen dargestellt. Ein Aspekt der Präsentation war das Ausbaupotenzial im Industriehafengebiet, das südlich der Elbe besteht. Hierbei handelt es sich um ungenutzte industrielle Abwärme, die größenordnungsmäßig zur Versorgung von 60.000 Wohneinheiten ausreichen würde. Die tatsächlich erschließbare Fernwärmemenge hängt von den Ergebnissen der derzeit dazu laufenden Gespräch und Untersuchungen ab.

Ein wesentlicher Teil dieser Abwärme kann dem Fernwärmesystem über die geplante Südleitung zugeführt werden. Nördlich der Elbe steht Potenzial in ähnlicher Größenordnung nicht zur Verfügung.

Dies voraus geschickt, beantwortet der Senat die Fragen teilweise auf Grundlage von Informationen der Wärme Hamburg GmbH wie folgt:

 

1. Welcher jährlichen Fernwärmemenge in GWh pro Jahr entsprechen die angegebenen 60 000 weiteren Wohneinheiten?

Siehe Vorbemerkung.

 

2.    Um welche Raffinerien mit welchen Wärmeleistungen und in welchen Entfernungen von der KWK-Anlage und mit welchen Wärmetemperaturen geht es und wie groß ist deren Beitrag zu den 60 000 weiteren versorgbaren Wohneinheiten?

3.    Die Abwärme welcher Aluminium-Betriebe mit welcher Wärmeleistung soll beim aktuellen Ersatzkonzept genutzt werden?

4.    Welche zwei weiteren Aluminium-Betriebe mit welchen Wärmeleistungen und welchen Temperaturen entsprechen den Ankündigungen von Senator Kerstan? Wie groß sind die Entfernungen zur geplanten KWK-Anlage? Wie groß sind jeweils deren Beiträge zu den 60 000 weiteren versorgbaren Wohneinheiten?

5.    Welche Industriebetriebe kommen auf die Behörde für Umwelt und Energie (BUE) beziehungsweise auf die Wärme Hamburg GmbH (WHH) zu, die Wärme anbieten? Sind deren Angebote schon in den 60 000 weiteren versorgbaren Wohneinheiten enthalten? Um welche Leistungen geht es und wie groß sind die jeweiligen Entfernungen zur KWK-Anlage?

6.    Hinsichtlich welcher anderen Quellen laufen schon jetzt Gespräche über zukünftige Wärmelieferungen? Sind deren Wärmebeiträge Teile der 60 000 weiteren versorgbaren Wohneinheiten?
Wenn ja, wie groß sind diese Anteile?

7.    Bei welchen der oben aufgeführten Betriebe geht es um Abwärme, bei welchen um (anteilig) fossil erzeugte Wärme?

Die Gespräche über die Verwendung industrieller Abwärme sind noch nicht abgeschlossen, siehe dazu auch Vorbemerkung.

Zu laufenden Verfahren gibt der Senat grundsätzlich keine Auskünfte.

 

8.    Kann die von der Müllverbrennungsanlage Rugenberger Damm im Fernwärmekonzept geplante Wärmemenge ohne Maßnahmen zur Effizienzsteigerung wie einer Rauchgasanlage geliefert werden oder sind Effizienzsteigerungen erforderlich?
Wenn ja, welche?

Es sind Effizienzsteigerungsmaßnahmen notwendig. Hierbei handelt es sich vornehmlich um eine neue bzw. umgebaute Dampfturbinenkonfiguration sowie ein Wärmeverschiebesystem.

 

9.    Mit welchem Energieträger werden die beiden Abwasserwärmepumpen in Skandinavien angetrieben, ebenfalls mit Normalstrom wie im Hamburger Fernwärme-Konzept oder mit Strom aus erneuerbaren oder ähnlich klimafreundlichen Quellen?

In Schweden werden Abwasser-Wärmepumpen mit dem vorhandenen Netzstrom betrieben. Anders als in Deutschland basiert jedoch die Zusammensetzung des Netzstroms dort zu einem großen Teil auf Kernenergie.
Im Übrigen siehe dazu auch das Gutachten HIC zu Erneuerbaren Energien in der Fernwärme (Seite 75):
http://daten.transparenz.hamburg.de/Dataport.HmbTG.ZS.Webservice.GetRessource100/GetRessource100.svc/afb8b88a-c16e-4ac8-948c-903de31f3b25/Akte_UI820.00-02.pdf.

 

10.    Da das Beratungsunternehmen BET in seinem Abschlussgutachten im Jahr 2015 von einer Abwasserpumpe aus wirtschaftlichen Gründen abgeraten hat, ist zu fragen, ob die Tatsache, dass es nirgendwo in Europa so etwas gibt und das auch nirgendwo geplant ist, nicht darauf zurückzuführen ist, dass eine solche Anlage nicht wirtschaftlich betrieben werden kann und bei einem Antrieb mit Normalstrom auch unter ökologischen Gesichtspunkten mangelhaft ist?

Für den Senat hat die Ablösung des Kraftwerks Wedel durch klimaneutrale Wärmequellen eine hohe Priorität. Der Senat geht davon aus, dass sich der regulatorische Rahmen für den Einsatz klimaneutraler Wärme wie den Betrieb von Abwasserwärmepumpen in den nächsten Jahren weiter verbessern wird. Die Wirtschaftlichkeit der Anlage ist im Gesamtsystem des Energieparks Hafen gegeben.  

Im Übrigen werden mittlerweile auch in Berlin und von den Stadtwerken in Lemgo ähnliche Anlagen geplant.


Stephan Jersch ist Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft. Für die Fraktion DIE LINKE ist er Fachsprecher für Wirtschaft, Umwelt und Technologie, Medien- und Netzpolitik, Landwirtschaft, Bezirke, Tierschutz. Er vertritt seine Fraktion in den Ausschüssen für Umwelt sowie Wirtschaft, Innovation, Medien. 

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