Langsam angehen lassen – Hamburgs Ladesäulenausbau entschleunigt sich rasant

Umwelt und EnergieWirtschaft

Die E-Mobilität soll einen zentralen Baustein für die Verkehrs- und Energiewende darstellen. Dazu baut Stromnetz Hamburg seit Jahren an einer Ladesäuleninfrastruktur. Aber nicht nur Fahrerinnen und Fahrer von Elektroautos fallen immer häufiger defekte Ladesäulen auf. Die Stadt hat nun auf meine Anfrage „Herrscht in Hamburg das Prinzip Hoffnung für Ladesäulen?“ (Drs. 22/11062) geantwortet und lässt Zweifel an der Infrastruktur aufkommen.

  • Die Schriftliche Kleine Anfrage „Herrscht in Hamburg das Prinzip Hoffnung für Ladesäulen?“ (Drs. 22/11062) ist hier als PDF online.

Derzeit sind mehr als die Hälfte der DC-Ladesäulen außer Betrieb. 53 von 101 Säulen haben „das Zeitliche gesegnet“ und werden, nach einer Antwort auf eine CDU-Anfrage aus dem Jahr 2021 nicht mehr erneuert. Stattdessen sollen moderne HPC-Säulen errichtet werden, von denen bis heute aber erst 11 erstellt wurden, drei weitere sind defekt. Währenddessen hat Stromnetz Hamburg 82 Standorte für den Ladesäulenbau reserviert und 32 weitere sind für Privatfirmen vorgesehen.

Der Ersatz der weniger leistungsfähigen und überwiegend kaputten DC-Säulen mit modernen Schnellladern ist mittelfristig durchaus sinnvoll, aber (gerade im Winter) wird deren Kapazität konstruktionsbedingt von E-Autos häufig nicht ausgenutzt. Hinzu kommt die Frage, ob die Standorte überhaupt einen ausreichenden Netzanschluss haben.

Immerhin: Je weniger DC-Ladesäulen noch funktionieren, umso mehr gehen die Entstörungen an ihnen zurück, wie die Antwort des Senats zeigt.

Wenn es mit der öffentlichen Ladesäuleninfrastruktur etwas werden soll, dann muss Hamburg hier kräftig nachlegen. Moderne Schnellladesäulen sind in vier Bezirken noch völlig unbekannt und selbst von den alten und noch funktionierenden DC-Säulen steht in Harburg und Bergedorf jeweils eine einzige. Attraktiv ist das nicht, dafür wird es aber eine Werbung für den Öffentlichen Personennahverkehr. Letztendlich ist nicht die Umstellung auf Elektromobilität, sondern die Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs das wichtigste Kriterium für eine gelungene Verkehrswende.