Streitfall Nutria: Wie wäre es mal mit Objektivität?

Von Jens Schultz: Die Nutria sind bekanntermaßen inzwischen auch in Hamburg angekommen. Für die einen sind sie faszinierende Nagetiere, die zur Artenvielfalt beitragen. Andere sehen sie als Schädlinge, die am besten bejagt und abgeschossen werden. Die Tiere sorgen also für reichlich Diskussionen, besonders in den Bezirken Harburg und Bergedorf, wo die Tiere in der Stadt am häufigsten vorkommen. Was zur Einordnung bei diesem Thema und dem damit verbundenen Spannungsfeld am besten hilft, ist Objektivität herzustellen.

  • Dieser Artikel stammt aus dem Bürger:innen-Rundbrief 07/2025 von Heike Sudmann und Stephan Jersch, der monatlich kostenlos erscheint und als PDF kostenlos abonniert werden kann. Siehe hier

Dazu legte die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) im Oktober 2023 ein Gutachten
vor, in dem es heißt: »Eine Beeinträchtigung des Hochwasserschutzes durch die Nutria konnte im Rahmen der Untersuchungen nicht nachgewiesen werden.« Die BUKEA hat in dem Gutachten weiterhin eine Reihe von Maßnahmen dargestellt, die zur Populationskontrolle dienen. Eine dieser Maßnahmen, das Fütterungsverbot für Nutria, hatte übrigens DIE LINKE bereits im September 2023 in der Bürgerschaft beantragt (22/12803), was danach zu einer intensiven Debatte im Umweltausschuss führte.

Das Bezirksamt in Harburg stellte in seiner Antwort auf eine Anfrage (22/0453.01) im Mai dieses Jahres klar, dass Schäden an den Hauptdeichlinien im dortigen Bezirk nicht aufgetreten sind, die Deiche regelmäßig inspiziert werden, für trockene Deichgräben gesorgt wird und man dort durchaus in der Lage ist, mögliche Schäden schnell zu reparieren. Um es ganz klar festzuhalten: Es gibt in der Stadt keine »Nutriaplage«, auch gibt es derzeit keine Schäden an Hochwasserschutzanlagen, die auf Nutria zurückzuführen sind.

Die BUKEA teilte der CDU-Fraktion in der Bezirksversammlung Bergedorf auf deren Auskunftsersuchen (22/0137.01) hin auch mit, dass bislang keine Personen von Nutria angegriffen wurden. Es bleibt also festzuhalten: Mit etwas Sachlichkeit wird klar, dass die Nutria in Hamburg derzeit kein Problem darstellen, die Stadt über Stellschrauben verfügt, um dem Thema zu begegnen und die Emotionen bei dem Thema durchaus heruntergefahren werden können.