Debatte Klimaschutz und CO2-Mangagement
"Unvermeidbares CO2 clever managen – Hamburgs Strategie für Carbon Management." Das Thema Klimaschutz und der Umgang mit CO2 war Thema der Bürgerschaftssitzung am 10. November 2025. Stephan Jersch nahm für die Linksfraktion Stellung zu den Forderungen der Grünen und der SPD-Fraktion.
Die gesamte Debatte zu dem Antrag ist hier in der Mediathek der Bürgerschaft als Video online. Die Rede von Stephan Jersch ist hier als Video online.
Die Rede von Stephan Jersch im Wortlaut:
Stephan Jersch Die Linke:
Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Mit diesem Antrag stolpert Hamburg in der Klimawende, weil Schritte ausgelassen werden, die unbedingt notwendig sind, um wirklich ein Carbon Management zu realisieren – schöner Name; der Hintergrund ist Versagensangst. Reduktion reicht nicht, technischer Fortschritt wird es nicht machen, was überraschend ist, denn normalerweise – obwohl es den noch gar nicht gibt – ist er immer die Lösung. Also kurz und gut: Clever ist an diesem Antrag gar nichts.
(Beifall bei der Linken)
CCS ist keine tragfähige Lösung, allein wenn man auf die Realitäten schaut: Die Speicherkapazitäten der bisher bestehenden neuen Projekte, die für wirkliche Abspeicherung von CO2 da sind, ergehen sich in 8,5 bis 10,8 Millionen Tonnen pro Jahr. Nur als Vergleich, damit man es einordnen kann: Tiefstack hat 1,3 Millionen Tonnen CO2-Emissionen jedes Jahr.
(Rosa Domm GRÜNE: Aber Tiefstack wollen wir auch nicht …!)
Wir reden hier von einer Lösung für die Klimaneutralität – das haut vorn und hinten nicht hin, allein wenn man sich schon die Mengen anguckt.
(Beifall bei der Linken)
Was in Ihrem Petitum steht und in der Lyrik vornedran, sind zwei unterschiedliche Sachen: Wenn wir die Lyrik abstimen, würde ich es positiver sehen – wenn wir das Petitum abstimmen, sehen wir, dass darin nichts von den natürlichen CO2-Senken steht;
Sie haben es nicht bis dahin geschafft. Auch von den zu erhebenden Grunddaten steht dort nichts: Worüber reden wir hier eigentlich, damit wir wissen, wie die Lösung aussieht? All das steht dort nicht drin und ist demzufolge völlig unzulänglich, um perspektivisch irgendetwas zu lösen.
(Beifall bei der Linken)
Risiken und Kosten sind ein schon öfter erwähntes Thema: Wir haben das Risiko des Austritts von CO2, Leckagen, Freisetzung von Schadstoffen, Versalzung von Wasser; wir haben das Problem, dass eine solche Lagerstätte generationsübergreifend überwacht werden muss, wofür bisher die Technik fehlt; es ist extrem teuer – das hat die Kollegin Domm schon erwähnt –; es würde uns in Deutschland bis 2045 bis zu 81,5 Milliarden Euro kosten, ist hier geschätzt worden; jede dieser Lagerstellen ist eine Einzelfalllösung und wird nicht billiger; es muss jeweils auf den geologischen Untergrund Rücksicht genommen werden. Was mich besonders irritiert: Es gibt keine Absage an die Landspeicherung von CO2 in Hamburg. Das kann in einer so dicht besiedelten Stadt wie Hamburg nicht wirklich sein.
(Beifall bei der Linken)
Es ist, wie gesagt, zu teuer, zu riskant und eigentlich kontraproduktiv; dem ist jetzt im Bundestag auch noch das überragende öffentliche Interesse attestiert worden. Nicht umsonst werden dadurch NGOs wie die Deutsche Umwelthilfe, der BUND, der NABU, WWF und viele mehr aus der Beteiligung mehr oder weniger herausgekickt. Sie alle sehen das, was hier im Moment als Ausweichweg für eine wirkliche Klimaneutralität diskutiert wird, sehr kritisch.
Letztlich hat die Stadtreinigung Hamburg im Auftrag der Stadt auch eine Studie zu CCU verfasst. Warum legen Sie diese Studie eigentlich nicht komplett offen?
(Heiterkeit bei Heike Sudmann Die Linke)
Wir haben sie schon vor geraumer Zeit mit einer SKA abgefragt, doch das ist mit dem Verweis auf Geschäftsgeheimnisse verweigert worden. Liebe Kolleginnen und Kollegen, es kann doch nicht wirklich sein, dass wenn wir in dieser Stadt eine Carbon-Management-Strategie entwickeln sollen – ein Gutachten, das sich im Prinzip schon mit einem der wichtigen Punkte, nämlich CCU, also der Weiterverwendung von CO2, beschäftigt –, dies schlicht
und ergreifend nicht veröffentlicht wird.
(Beifall bei der Linken)
Wie ich schon sagte: Gute Punkte in Ihrem Antrag vermodern in der Lyrik vornedran; ich hätte sie gern im Petitum gesehen. Genau deswegen wollen wir Ihren Antrag mit unserem Zusatzantrag vom Kopf auf die Füße stellen, damit erst mal die Grundlagen geschaffen werden und wir wissen, worüber wir hier eigentlich reden. – Danke.
(Beifall bei der Linken)

