Landstromanlagen in Hamburg – Frischer Wind für den Hafen oder doch Wackelkontakt?

Von Stephan Jersch und Janine Burkhardt: Anfang des Monats konnten wir im Rahmen einer Führung bei der Landstromanlage in Altona selbst einen Einblick gewinnen, wie die Landstromanlage funktioniert und auch welche Herausforderungen bei der Landstromversorgung der Schiffe noch bestehen. Nicht alle Schiffe sind in der Lage, Landstrom beziehen zu können. Der Bau der Infrastruktur und der Landstromanlagen kostet viel Geld.

  • Dieser Artikel stammt aus dem Bürger:innen-Rundbrief 07/2025 von Heike Sudmann und Stephan Jersch, der monatlich kostenlos erscheint und als PDF kostenlos abonniert werden kann. Siehe hier

Seitens des Bundes wurden von 2020 bis 2024 über 46,5 Mio. Euro für die Errichtung der Landstromanlagen an den Container- und Kreuzfahrtterminals gezahlt, während der Kostenanteil für Hamburg über 34,6 Mio. Euro betrug (s. Schriftliche Kleine Anfrage vom 6.1.2025, Drs. 22/17426). Landstrom nutzen möchte oder nicht. Zwar hat die Hamburg Port Authoritiy (HPA) bereits mit einigen Reedereien Vereinbarungen getroffen, jedoch ist über den genauen Inhalt dieser Vereinbarungen nichts bekannt.

Die erste Landstromanlage entstand am Kreuzfahrtterminal in Altona und wurde 2017 in Betrieb genommen. Seit
April 2024 steht den landstromfähigen (und für die Anlage zertifizierten) Kreuzfahrtschiffen auch am Cruise Center
Steinwerder eine Landstromanlage zur Verfügung. Mittlerweile entstehen die Landstromanlagen. Am EUROGATE Con-
tainer Terminal Hamburg sowie am HHLA Container Terminal Tollerort können ebenfalls die ersten Containerschiffe
Landstrom beziehen. Weitere Anlagen befinden sich im Aufbau oder im Testbetrieb. So z. B. am Cruise Center HafenCity.

Hier werden in diesem Jahr bereits die ersten 45 Anläufe von Kreuzfahrtschiffen erwartet. Allerdings werden diese noch keinen Landstrom beziehen können, da die Landstromanlage noch nicht fertiggestellt ist. Eine reguläre Versorgung erfolgt hier erst in der Saison 2026 (s. Schriftliche Kleine Anfrage vom 19.6.2025, Drs. 23/702).

Während des Hafenaufenthalts brauchen die Containerschiffe und Kreuzfahrtriesen Strom – z. B. für Licht, Klima-
anlagen, Kühlsysteme und Co, den sie über die bordeigenen Dieselmotoren erzeugen, was eine gewaltige Menge an CO2, Feinstaub und Stickoxiden verursacht – teilweise direkt neben den Wohnzimmern der Hamburger*innen.

Mittlerweile gibt es mit der Nutzung von Landstrom eine umweltfreundliche Alternative, sofern grüner Strom genutzt wird. Die Stromversorgung erfolgt von der Landseite und die schiffseigenen Motoren bleiben aus. Im Hamburger Hafen können Kreuzfahrt- und Containerschiffe mittlerweile an verschiedenen Terminals Strom beziehen. Und obwohl die Landstromversorgung seit acht Jahren in kleinen Schritten ausgebaut wurde und immer noch wird, kann weiterhin noch nicht überall Landstrom bezogen werden. Und: Immer noch sind nicht alle Schiffe landstromfähig. Tatsächlich gab es in der Vergangenheit auch immer wieder Kreuzfahrtschiffe, die keinen Landstrom bezogen haben, obwohl sie landstromfähig sind. Denn letztlich entscheidet die Reederei, ob sie mit ihren Schiffen Landstrom nutzen möchte oder nicht. Zwar hat die Hamburg Port Authritiy (HPA) bereits mit einigen Reedereien Vereinbarungen getroffen, jedoch ist über den genau Inhalt dieser Vereinbarungen nichts bekannt.

Seit der Inbetriebnahme der Landstromanlage in Altona hat die Linksfraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft die Nutzung durch die Kreuzschifffahrtsbranche und auch den weiteren Ausbau der Anlagen kritisch begleitet. Im Gegensatz zu den Containerschiffen, die für die Güterversorgung essenziell sind, sind Kreuzfahrtschiffe ein Freizeitangebot für zahlende Gäste und damit ist deren Beitrag zur Luftverschmutzung besonders ärgerlich. So kündigte der Senat kurz vor Weihnachten 2023 an, dass 75 % der Kreuzfahrtanläufe im Jahr 2024 mit Landstrom versorgt werden würden. Tatsächlich war die Landstromanlage in Steinwerder hier noch in der Testphase und wurde erst im zweiten Quartal des Jahres 2024 in den regulären Betrieb genommen (s. Schriftliche Kleine Anfrage vom 12.7.2024, Drs. 22/15727). Die Jahresbilanz zeigte schließlich, dass von den 271 Anläufen von Kreuzfahrtschiffen lediglich 121 (44,6%) mit Landstrom versorgt wurden (dies beinhaltet auch die Kreuzfahrtschiffe, die keinen Landstrom beziehen können). Betrachtet man nur die landstromfähigen und zertifizierten Schiffe (zertifiziert meint Schiffe, die am entsprechenden Terminal für die Landstromversorgung zugelassen wurden), sind es immerhin 192 Anläufe, die mit Landstrom hätten versorgt werden können (bei 121 sind es damit 63 %, s. Drs. 22/15727 sowie Drs. 22/17426).

Entscheidend ist jedoch auch, dass die Schiffe über die gesamte Liegezeit Landstrom beziehen. Aus den Schriftlichen
Kleinen Anfragen geht jedoch deutlich hervor, dass dies nicht der Fall ist. Von den 1.485 Stunden, die die landstrom-
fähigen Schiffe am Terminal lagen, wurden nur knapp 1.002 Stunden lang grüner Strom bezogen. Selbst bei der Berück-
sichtigung der Dauer für den Anschluss und der Trennung der Schiffe von der Anlage ergibt sich noch immer eine Differenz von über 300 Stunden. Ein ähnliches Bild zeigt sich im ersten Halbjahr 2025. Zwar liegt hier die Versorgungsquote bei über 50 %. Das Ziel, 75 % der Kreuzfahrtschiffe mit Landstrom zu versorgen, bleibt jedoch weiterhin außer Reichweite (siehe hier).

Zudem liegen auch landstromfähige Schiffe weiterhin mit laufenden Motoren im Hafen und verpesten die
Luft. Dies ist gerade für Anwohner*innen nicht nur ein Ärgernis, denn für diese ist es auch eine handfeste Frage in
Bezug auf ihre Gesundheit, da beispielsweise Feinstaub tief in die Lunge eindringt und u.a. Herz-Kreislauf-Erkrankun-
gen verursachen kann. Umso ärgerlicher ist es, dass Hamburg auf die europaweite Landstrompflicht 2030 wartet und
sie auch nicht früher einführen möchte, obwohl das möglich wäre (siehe hier).