Debatte: Igel in Hamburger Parks und Gärten schützen

Bei der 12. Bürgerschaftssitzung am 8. Oktober 2025 stand ein Antrag der Senatsfraktionen zur Debatte: Igel in Hamburger Parks und Gärten schützen. Dazu ging Stephan Jersch als zuständiger Tierschutzsprecher der Linksfraktion ans Rednerpult.

Die gesamte Debatte zu diesem Top ist hier in der Mediathek der Bürgerschaft online. Die Rede von Stephan Jersch ist hier als Video zu finden.

Hier die Rede zum Thema “Igel in Hamburger Parks und Gärten schützen” von Stephan Jersch auch im Wortlaut: 
 

Stephan Jersch Die Linke:
Sehr geehrtes Präsidium, sehr geehrte Damen und
Herren! Vieles ist jetzt schon gesagt worden, auch
zu später Stunde; einer Stunde, zu der die Mähro-
boter nicht mehr fahren sollten. Tatsächlich haben
wir beim Igel die Entwicklung, dass er vom putzigen
Maskottchen zum Zivilisationsopfer geworden ist,
und zwar mit dem Aufkommen der Mähroboter, die
neben den Opfern, die schon die Großstadtstraßen
vom Igel fordern, nun auch noch in seinem natürli-
chen Habitat zuschlagen. Das macht die Population
deutlich kleiner.
(Präsidentin Carola Veit übernimmt den Vor-
sitz.)
 

Frau Nerlich hatte schon erwähnt, dass der Igel auf
der Roten Liste ist – zu Recht. Man kann sich na-
türlich fragen, warum er es in Hamburg noch nicht
ist, aber zumindest haben wir in Bergedorf mit der
Wildtierstation von LOOKI e. V., die auch schon
mehrfach genannt wurde, eine profunde Station,
die sich um Wildtiere kümmert, wozu auch diese
kleinen Stachelträger zählen.
 

Frau Nerlich hat auch schon sehr bildlich die Bilanz
der Opfer unter den Igeln dargestellt; darauf möch-
te ich jetzt verzichten. Fakt ist, dass mittlerweile ein
ziemlicher Anteil der verletzten oder abgegebenen
Igel Opfer von Mährobotern sind. Insofern ist es
gut, dass Hamburg dem Beispiel anderer Städte
folgt, und ein nächtliches Betriebsverbot ist defini-
tiv deutlich überfällig. Wer – selbst wenn es ein
Roboter ist – mäht denn nachts noch seinen Ra-
sen? Früher gab es normale Rasenmäher, die man
selbst betreiben konnte. Daher gehört diese Zivili-
sationsbequemlichkeit nicht in die Gärten.
 

Schön wäre es allerdings, wenn wir uns generell
um die Verbesserung der Lebensbedingungen für
die Igel kümmerten; auch das ist angesprochen
worden. Das heißt: Hecken statt Zäune, Durchläs-
se, Laubhaufen in den Gärten. Wir könnten jetzt
noch mal über die Laubbläser reden, gegen die
die Stadt leider nichts unternimmt, aber letztlich
wäre ein Programm "Igelfreundliches Hamburg" an-
gebracht, um diesen kleinen Stachelträgern auch
gerecht zu werden.
 

Der Antrag zeigt auch deutlich, wie wichtig eine
Wildtierstation in Hamburg ist. Die Probleme sind
frühzeitig erkannt worden, und das Problem mit den
Igeln wurde benannt. Mit LOOKI e. V. bekommt
Hamburg eine ehrenamtliche Station, die außer ei-
nigen Sondermitteln kein öffentliches Geld in An-
spruch nimmt. Darauf komme ich später zurück.
Auch meine beiden Patengänse – Kanadagänse –
sind bei LOOKI gut untergebracht. Sinnigerweise
heißen sie USA und Kanada und tragen so auch
zur Verständigung bei.
 

Tierschutz ist heute nicht nur die evidente Aufgabe,
Haus- und Nutztiere zu schützen, sondern auch zu-
nehmend Wildtiere, weil die Lebensräume der Tie-
re immer weiter dem Siedlungsdruck weichen. Hier
müssen wir wirklich darüber nachdenken, eine Neu-
definition des Tierschutzes und auch der Aufgaben
der Stadt festzulegen. Denn wir vertreiben die Tiere
aus ihren Habitaten dadurch, dass wir Siedlungs-
raum nutzen. Gleichzeitig werden sie durch uns Zi-
vilisationsopfer in der Stadt. Da braucht es deutlich
mehr Unterstützung – und die ist, was LOOKI e. V.
angeht, bisher ehrenamtlich. Ich denke, Tierfutter,
die Gehege und die Pflege kosten die Stadt aller-
höchstens mal kleine Sondermittelbeiträge.
 

Letztlich geht eine Fortsetzung der üblichen Tier-
schutzpolitik nicht weit genug, das ist nicht nach-
haltig – wir müssen die Wildtiere mit in den Ka-
talog der zu schützenden oder von der Stadt zu
finanzierenden Tiere mit aufnehmen. Gerade weil
wir sie aus ihrem Lebensraum vertreiben, wäre es
ein gutes Zeichen, wenn die Stadt dies endlich als
Aufgabe annehmen würde; insofern werden wir zu-
stimmen.
(Beifall bei der Linken)