Zum Hauptinhalt springen

Das Dilemma mit dem Tierschutz

Im letzten Bürger*innen-Brief hat sich der zuständige Bürgerschaftsabgeordnete Stephan Jersch in einem Artikel mit dem Thema befasst: "Das Dilemma mit dem Tierschutz". Der Artikel ist hier nun noch mal direkt zu finden. Der Bürger*innen-Brief wird gemeinsam von den Abgeordneten Heike Sudmann und Stephan Jersch herausgegeben. Dort berichten die Abgeordneten über ihre Themenfelder und aktuelle Aktivitäten in der Öffentlichkeit und in der Bürgerschaft. Der Brief kann kostenlos als PDF abonniert werden.


Von Stephan Jersch: 

Tierschutz hat seit 2002 Verfassungsrang in Deutschland.
Staatliche Aufgaben sind u.a. die Überwachung der Tierhal-
tung, die Genehmigung von Tierversuchen sowie Handels- und
Transportkontrollen. Hamburg hat seine rechtlichen Verpflich-
tungen im Tierschutz teilweise ausgelagert und dem »Hambur-
ger Tierschutzverein von 1841 e.V.« (HTV) übertragen. Im Tier-
heim des HTV werden u.a. Fundtiere und sichergestellte Tiere
angenommen. Der HTV finanziert sich hauptsächlich aus Spen-
den und bekommt für die von der Stadt übertragenen Aufga-
ben zusätzlich Geld aus dem Haushalt der Stadt.

Durch den Tierschutz zieht sich eine harte Grenze: die zwi-
schen Haus- und Wildtieren. Für Wildtiere sehen sich die
Kommunen und auch Hamburg als nicht zuständig an, eine
teure Ausnahme sind in Hamburg die Schwäne auf der Als-
ter. Im letzten Jahr hat die Bürgerschaft über den Schutz von
Igeln debattiert und leider keine Einsatzbeschränkung von
Mährobotern beschlossen – es blieb bei Informationen und
dem Bemühen um eine bundesweite Regelung. Anlass war
eine Vielzahl von schwer verletzten Igeln, die von Mährobo-
tern verstümmelt wurden und bei freiwilligen Helfer*innen
landeten. Besonders bei der Wildtierstation von Looki in Ber-
gedorf. Das ist keine staatliche Aufgabe und muss allein aus
Spenden finanziert werden.

Die Igel sind ein sympathisches Beispiel. Das betrifft aber
auch weiterhin aufgefundene und verstümmelte Nutria, ver-

letzte und verstümmelte Stadttauben, aufgefundene Wild-
gänse, Waschbären oder Eichhörnchen. Neuerdings erkennt
der Senat immerhin an, dass die Stadttauben zumindest ver-
wilderte ehemalige Haustauben (z.B. Brief- oder Hochzeitstau-
ben) sind. Für deren Populationskontrolle wurden nun Gelder
für sechs Taubenschläge bewilligt, die aber seit Februar 2024
noch nicht verwendet wurden.

Neben dem stark überlasteten Tierheim des HTV kümmert
sich die kleine, ehrenamtlich betriebene Wildtierstation von
Looki mit viel Engagement um Wildtiere in Not. Alle Versu-
che einer institutionellen Förderung durch die Stadt sind bis-
her gescheitert. Gleichzeitig sinkt mit der wirtschaftlichen
Lage die Spendenbereitschaft und die Reserven für Futter
und Tierarztrechnungen schwinden.

Der HTV und auch Looki haben in den letzten Jahren wie-
derholt Aufnahmestopps verhängen müssen. Die Kapazitä-
ten sind immer öfter erschöpft, doch der Senat handelt nicht.
Während Looki darauf verweist, dass ein jährlicher Zuschuss
von 150.000 Euro die Not beenden könnte, werden gerade
die letzten Arbeiten für den Neubau der Versuchstierunter-
bringung am UKE durchgeführt, zu der die Stadt 36 Millio-
nen Euro beisteuert.

Es stünde der Stadt gut zu Gesicht, über den Haushalts-
schatten zu springen und zu handeln. ##

  • Am 30. April ist bundesweit der deutsch-englische Streifen »Future Science. Das Ende der Tierversuche?« von Marc Pierschel in den Kinos angelaufen. Der 81-minütige Dokumentarfilm mit deutschen Untertiteln geht u.a. davon aus, dass 95 Prozent der Medikamente, die in die klinische Prüfung am Menschen gehen, scheitern. Und das, obwohl sie vorher an Mäusen und Ratten exzellent gewirkt haben.« Mehr zum Film und den Aufführungsorten unter hier 
Zurück zum Kopf der Seite